T.C Boyle und ich

Ich hatte das Vergnügen, bisher zweimal mit dem großen amerikanischen Schriftsteller T.C Boyle sprechen zu können und das hat Spuren hinterlassen:

Die erste Begegnung:

5. Mai 2012 in der Volksbühne Berlin: Boyles Lesereise „Wenn das Schlachten vorbei ist“

Beim Signieren seines Buches habe ich ihn gefragt, ob er mir Tipps geben könnte, wie aus mir eine Schriftstellerin wird. Da sich der Dialog so in mein Gedächtnis eingebrannt hat, kann ich ihn noch genauso wiedergeben, wie er vor fünf Jahren stattgefunden hat  – auf englisch.

Judith: How do I become a good writer?

TCBoyle: Marry a rich man.

Judith: Sorry, i failed. I am already married to the best husband, but he is not rich.

Er wandte sich dann schon wieder den Fans zu, er wollte ja vorwärts kommen beim Signieren und die Schlange hinter mir war noch lang. Aber ich blieb einfach stehen und wartete auf einen besseren Tipp von ihm. TC Boyle erbarmte sich meiner und sagte:

TCBoyle: Analyse the writers you love. Find out how they write and why they write in that way.

Judith: Is that the way you started with writing?

Er nickte und sagte dann noch:

TCBoyle: In the book „The eleventh draft“ you will have a glance of how i started.

Da mein Hintermann in der Schlange schon hustete, um zu zeigen, wie unverschämt er es fand, dass ich soviel Zeit stehlte, konnte ich mich nur noch überschwänglich bedanken.TCBoyle hatte nicht nur mit mir gesprochen, nein, er hat mir einen Tipp gegeben!

 

Ich habe mir dann sogleich das Buch besorgt, von dem er gesprochen hat und erfuhr einiges über ihn. Dass er nicht wusste, was er studieren sollte, dann auf Geschichte kam, aber nur weil man da viel schreiben durfte, dann begann die Phase der Workshops in creative writing und er began zu lesen: Updike, Bellow, Camus, Ibsen, Sartre,  Waugh in der Bibliothek.

But i read. I was introduce to Flannery O´Connor in a sophomore literature class and felt a blast of recognition, and outside class, in the bars and in the company of a small cadre of people like me, I began to read Updike and Bellow and Camus, then Barth, Beckett, Genet and Gide, as well as Ibsen, O`Neill, Sartre and Waugh

aus:  The Eleventh Draft , edited by Frank Conroy HarperCollinsPublishers

 

Und ich schaffte mir ein System an, in dem ich das, was ich bei der Schreibweise meiner Lieblingsautoren fand, aufschrieb, analysierte und immer wieder herauszog: Bei Martin Suter, Alex Capus, Dostojewski, Edgar Allen Poe, Charles Dickens, Erich Kästner, Kurt Tucholsky und vor allem T.C Boyle. Ja, vor allem ihm, den ich jetzt vor kurzem zum zweiten Mal traf:

 

22. Februar 2017 im Haus des Rundfunks Berlin – Lesereise zu „Die Terranauten“

 

Da stand ich also wieder vor ihm, fasste all meinen Mut zusammen und erzählte ihm von unserer ersten Begegnung vor fünf Jahren und von seinem Tipp, den ich befolgt hatte:

Judith: Mr Boyle, a few years ago you told me to analyse the best writersAnd you know what i did meanwhile? I analysed every inch you wrote. And: My first book will be published in august!

Und was geschah? Er nickte, weise wie ein großer Schriftsteller, lächelte ein bisschen und gab mir die Hand.

TCBoyle: Congratulation!

Nochmal: Er gab mir die Hand! Das hat mich dann doch etwas überfordert. Ich konnte nur noch stottern:

Judith: I still failed with your first tip: to marry a rich man.

TCBoyle: You are a writer now. You don´t need a rich husband.

Ich war fertig mit meinen Nerven, aber glücklich. Am nächsten Tag schrieb und ich schrieb ich mehr als die sonstige Seitenanzahl und war noch ganz beschwingt von meinem Erlebnis.

Foto: privat; Danke an die nette Dame hinter mir in der Schlange für Foto und Geduld!

Übrigens:

  • TCBoyle hatte eine schwierige Kindheit, die Eltern Alkoholiker. In der Schule galt er als ein „Herumtreiber“ und wollte ursprünglich Saxophonist werden. Er belegte in der Highschool das Fach Geschichte, weil es etwas mit Schreiben zu tun hatte.
  • durch den Verkauf der Filmrechte von „Willkommen in Mellville“, konnte er sich eine Villa des Stararchitekten Frank Lloyd Wright in Kalifornien leisten, in der er bis heute wohnt. Zum Schreiben zieht er sich gern in seine Berghüte in Ponderosa (Kalifornien) zurück
  • in den Saal
  • er schreibt fast täglich, und liest dann das Geschriebene seiner Frau vor, die er bei Lesungen „Frau Boyle“nennt, weil sie (auch) Familie in Deutschland hat (oder hatte?)
  • er schreibt Romane und Kurzgeschichten abwechselnd, weil er das für seinen Rhythmus wichtig hält.
  • Beim Schreiben hört er immer Musik (Mozarts Requiem, von anderen Titeln habe ich nichts erfahren)
  • Deutschland ist für Boyle der zweitwichtigste Markt nach den USA
  • Der Journalist John McMurtrie schreibt: Boyle dresses in a style that would make „Keith Richard proud“: Er trägt immer rote Converse-Schuhe, einen Totenkopf-Ring und schwarze Armbänder.
Foto: privat

Die beiden Bücher finde ich am besten von ihm:

America (auf engl. der viel bessere Titel „Tortilla Curtain“): Ein Roman, den er 1995 geschrieben hat und das Leben illegaler Einwanderer von Mexiko in die USA schildert.

Wassermusik schrieb TCBoyle 1982; er handelt von den Reisen des schottischen Forschers  Mungo Park, der im 18. Jahrhundert nach Afrika reist.

 

 

Noch einen schönen Tag Euch allen! Postet mir Eure Bücher von TCBoyle (wie ihr sie lest, bearbeitet…) und erzählt mir Eure Erlebnisse mit ihm. Würde mich freuen!

(Bildquelle: Wikipedia)

4 Gedanken zu „T.C Boyle und ich

  1. super schön! tolle Bilder und authentische Geschichten.
    Terranauten habe ich gelesen vor allem weil mich interessiert, mit was für Fragen die europäisch-amerikanische Menschheit sich zukünftig so beschäftigen wird und welche Neurosen wir so pflegen. Ich finde seine Figuren sehr ungeschminkt, Boyle stellt ihre verheimlichten Schwächen, kleinen Feigheiten und Hintertürchen schonungslos dar.

    Wassermusik habe ich auch vor vielen Jahren gelesen – bin ja Ethnologin und bin selbst mal über den Niger geschippert, weniger leidvoll als Mungo Park, aber einige Reiseumstände kosteten echte Überwindung.

    Wir sind schon gespannt auf dein erstes Buch. claudia

    1. Vielen Dank! Boyle nimmt sich wirklich der Themen an, die uns alle beschäftigen, oft greift er sie schon Jahre vorher auf. Wie zum Beispiel in seinem Buch „America´“, in dem er die Flucht aus Mexico aus der Sichtweise einer mexikanischen Frau schildert.

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